VoIP-Technologie
ENUM - Telephone Number Mapping
Kapitel:
1 Was ist ENUM?
2 Wie funktioniert ENUM technisch?
3 Historie in Deutschland
4 Aktueller Stand
Web-Links zum Thema finden Sie unter VoIP-WebLinks.
Das Buch "Voice over IP" (VDE Verlag) behandelt das Thema ENUM im Kapitel 6.2.3.
1 Was ist ENUM?
ENUM ermöglicht einen Weg, Telefonnummern mit dem Internet zu verknüpfen. ENUM ermöglicht dabei unter EINER Telefonnummer verschiedene Dienste wie Webseiten, eMail und alle anderen denkbaren Services verfügbar zu machen sowie Prioritäten für die einzelnen Dienste zu setzen.
Das Ziel von ENUM ist, verschiedene Adressen, Nummern und URL’s unter einer einzigen Nummer verfügbar zu machen. So können unter einer einzigen ENUM-Nummer das private Telefon zu Hause, das Telefon in der Firma, die Faxnummer, Handynummern, geschäftliche und private eMail-Adressen, Videokonferenzadressen, die eigene Website und alle anderen denkbaren Kommunikationsadressen zusammengefaßt werden. Je nach gerade aktuell verwendeter Applikation (z.B. Telefon, eMail-Programm usw.) sucht sich diese unter der angegebenen ENUM-Nummer die eigentliche Zieladresse.
ENUM führt damit das bisherige Telefonnetz (fachlich auch als "Public Switches Telephone Network" bzw. PSTN abgekürzt) mit dem IP basierten Internet zusammen. Das bisherige Telefonnetz war ursprünglich nur zur Übertragung von Sprache konzipiert. Im Laufe der letzten Jahrzente kamen paketorientierte Datenübermittlungen dazu. Die Zusammenführung des Telefonnetzes mit dem IP basierten Internet besteht nun darin, die Telefonnummer aus dem klassischen Telefonnetz auf Internetdienste abzubilden.
2 Wie funktioniert ENUM technisch?
ENUM benutzt das "Domain Name System" (DNS), um die Telefonnummern auf die hinterlegten Webadressen bzw. URL’s zu verknüpfen und auflösen.
Das Protokoll zu ENUM ist im Standard "RFC2916" (E.164 Number and DNS) definiert. Hintergrund: In der "E-Serie" sind diverse Protokolle der schweizerischen International Telecommunications Union (ITU) definiert, unter anderem ist im E.164 das bisherige internationale Nummernformat definiert (1-3 stellige Ländervorwahl plus eine maximal 15-stellige nationale Telefonnummer bestehend aus Vorwahl und Anschlußnummer). Durch diesen Standard und durch die Ländervorwahl kann jedes Land weltweit an dem Telefonnetz teilnehmen. Nord-Amerika hat z.B. die Ländervorwahl 1, Deutschland die 49 usw.
Jedes Land benötigt eine Organisation, welche für die Verwaltung der Nummern verantwortlich ist. So hat z.B. die Neustar Inc. mit der amerikanischen Regierung einen Vertrag für die Nummernhohheit. In Deutschland hat dies heute die Telefon-Regulierungsbehörde, welche zum Teil einzelne Nummernbereiche an Telekommunikationsfirmen und z.T. auch einzelne Nummern (z.B. im 0190‘er, 0800‘er und anderen Bereichen) an einzelne Endkunden vergibt. Natürlich hat die "Deutsche Telekom" heute quasi die meisten Nummern, wobei auf diese Telekom-interne Datenbank wiederum die Regulierungsbehörde keinen direkten Zugriff hat.
Zurück zum "Domain Name System" (DNS). Um die Telefonnummern in das DNS-System zu überführen, wird eine Telefonnummer in eine eindeutige Domain verwandelt. Dazu wurde eine neue Domain namens "e164.arpa" eingeführt und definiert. Unter dieser Domain werden nun einfach Subdomains für jede Ziffer der bisherigen Telefonnummer eingeführt. Da das DNS-System aber quasi rückwärts arbeitet (die Topleveldomain ist immer die ganz rechte, die Domain ist die zweite von rechts, Subdomains sind dann weitere), wird die Telefonnummer auch rückwärts überführt. Um die Telefonnummer von Portunity (+49 2195 6845-0) als Beispiel in das DNS-System zu überführen, hier ein konkretes Beispiel:
- Zunächst werden alle Leerzeichen und sonstigen optischen Strukturierungshilfen wie Bindestriche usw. entfernt: 49219568450
- Die Nummer wird umgedreht: Aus 49219568450 wird damit 05486591294.
- Zwischen den Ziffern werden Punkte eingefügt: 0.5.4.8.6.5.9.1.2.9.4.
- Die ENUM-Domain "e164.arpa" wird angehängt: 0.5.4.8.6.5.9.1.2.9.4.e164.arpa.
Die bisherige Telefonnummer +49 2195 6845-0 war die Ausgangsbasis und als Ergebnis haben wir einen vollständigen Domainnamen (sog. "Fully Qualified Domain Name" = FQDN) 0.5.4.8.6.5.9.1.2.9.4.e164.arpa erhalten. Dieser vollständiger Domainname kann ganz normal im Nameservicebetrieb verwendet werden.
Laut dem im RFC2915 definiertem ENUM-Protokoll werden im Nameserver spezielle Einträge verwendet um auf die einzelnen Kommunikationsadressen (Telefon, eMail...) zu verweisen. Verwendet werden dabei die sog. "Naming Authority Pointer Records" (NAPTR). Für jede Domain können mehrere dieser NAPTR-Einträge eingesetzt werden, eben für jede Kommunikationsadresse genau eine. Außerdem ist es möglich, Prioritäten (Preferenzen) zu definieren.
Wenn ein Anruf getätigt wird, wird über ENUM also zukünftig zunächst über das DNS-System die Nummer bis zum NAPTR-Eintrag aufgelöst, welcher dann auf eine Nummer eines Fax-Anschlußes, eines Telefons, eines Handys usw. zeigt bzw. diese als Ergebnis liefert (welche dann entsprechend angewählt werden kann).
Häufig wird in Verbindung mit ENUM auch das Voice-Over-IP (Telefonieren über das IP-basierte Internet) Verfahren genannt, da ENUM es erlaubt, von einem normalen Telefonanschluß z.B. ein Voice-Over-IP-Anschluß (z.B. einen normalen PC) anzurufen und umgekehrt. ENUM ist damit eine Schlüsseltechnologie, um die beiden Welten IP (Internet) und PSTN (Telefonnetz) kommunikationstechnisch näher zusammenzubringen und verwachsen zu lassen.
ENUM erlaubt es dem Inhaber einer Telefonnummer, beliebig viele Dienste auf einer Telefonnummer abzubilden. Hierdurch wird es für Telekommunikationsgeräte und –Applikationen einfacher, alternative Dienste anzusprechen und für den Anwender nutzbar zu machen.
3 Historie in Deutschland
In Deutschland hat ENUM bereits eine kleine Historie hinter sich. Die Genossenschaft "Denic e.G.", ein Zusammenschluß aus über hundert Internet Service Providern, spielt dabei eine Schlüsselrolle.
März 2001: Erste Anfragen bezüglich ENUM treffen bei der Denic e.G. ein, inwieweit ein Engagement von Denic möglich ist. Da Denic die wichtigen sog. ROOT-Nameserver für die Topleveldomain ".de" betreibt und damit sowohl die technische Kompetenz als auch eine Infrastruktur bereits hat und für mehrere Millionen De-Domains betreibt, liegt es eigentlich nahe, das die Denic auch die ROOT-Nameserver für die ENUM-Zone "9.4.e164.arpa" betreibt.
April 2001: Das Denic sondiert ENUM erstmal intern und klärt intern die Möglichkeiten
Juni 2001: Die Denic e.G. nimmt Kontakt zum Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) auf.
Juli 2001: Bereits wenige Wochen später gibt das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) grünes Licht.
Oktober 2001: Die "Denic e.G." stellen eine erste Delegationsanfrage bezüglich der ENUM-Zone "9.4.e164.arpa".
Januar 2002: Innerhalb der Telekommunikations-Regulierungsbehörde gab es auf einmal "Kompetenzprobleme".
Februar 2002: Der Delegationsrequest wird offiziel abgelehnt durch die ITU wegen fehlender formaler Zustimmung des "Bundesministerium für Wirtschaft" (BMWi)
März 2002: Schreiben des "Bundesministerium für Wirtschaft" (BMWi) mit Zustimmung zu ersten Tests
April 2002: Innerhalb der ITU gab es eine "formale Blockade" im Delegationsprozeß allgemein
Mai 2002: Das Ripe delegiert die ENUM-Zone "9.4.e164.arpa" an das Denic für einen ersten Testbetrieb.
Juni 2002: In Frankfurt treffen sich interessierte Mitglieder (Internetprovider) der "Denic e.G." mit Mitarbeitern der Denic sowie einen Abgeordneten der Telekomunikations-Regulierungsbehörde um einen Testbetrieb zu definieren. Viele Dinge, sowohl technischer als auch rechtlicher und oranisatorischer Natur, sind allen Beteidigten noch unklar.
September 2002: Die Denic eröffnet eine eigene Rubrik zum Thema ENUM auf der eigenen Website und veröffentlicht auf dieser gleichzeitig detailierte Informationen zur Testphase, zum Testbetrieb und zur Nummernregistrierung. Die Mitglieder der Denic erhalten die Möglichkeit Registrierungsanträge bei der Denic einzureichen.
4 Aktueller Stand
Die Denic hat also vom RIPE die deutsche ENUM-Zone aktuell zu Testzwecken für einen ersten Testbetrieb delegiert bekommen.
Dies hat den Vorteil, das eine Infrastruktur entsprechend für einen solchen Testbetrieb nicht nur verfügbar ist, sondern durch die weit über hundert Mitglieder der Genossenschaft auch eine breite Basis von Internet-Service-Providern hinter dem Testbetrieb steht.
Dies bedeutet allerdings nicht automatisch, das das Denic auch einen späteren regulären Betrieb durchführen wird. Wie es mit ENUM nun weitergeht, wer die ENUM-Zone später pflegt bzw. delegiert bekommt, wie entsprechende Registrierungsprozeße tatsächlich durchgeführt werden, ist also derzeitig noch offen und Antworten auf solche Fragen werden von dem Testbetrieb und den daraus gewonnenen Ergebnissen abhängig sein.
Im September 2002 hat die Denic sowohl den eigenen Mitgliedern als auch öffentlich auf der eigenen Website zum Testbetrieb, zur Testphase und zur Registrierung von Telefonnummern Informationen veröffentlicht. Interessierte Nutzer, Firmen, Softwarehersteller, Internet Serviceprovider und Telekommunikationsfirmen sollten sich bei Interesse gegebenfalls an dem Testbetrieb teilnehmende Denic-Mitglieder wenden.
Die Veröffentlichung dieses Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung von http://www.enum-center.de/ (Portunity GmbH).

©2008, VoIP-Info.de
|