Heute ist Donnerstag, der 11. März 2010




Autor: Jochen Nölle

Voice over IP(VoIP) - Eine Einführung

 

Inhalt:

Voice over IP (VoIP) ist eine Technologie, um Sprache über Datennetzwerke zu übertragen. Die Übersetzung "Sprachübertragung über IP-Netze" enthält bereits eine technische Erläuterung, wobei mit "IP" die Abkürzung des Internet Protokolls gemeint ist, das sowohl in lokalen Computernetzen, als auch im Internet zur Datenübertragung eingesetzt wird.

 

Bereits in den 1990er Jahren hat die Technik schon einmal das Interesse der Öffentlichkeit geweckt, als sie billiges Telefonieren über das Internet versprach. Was zunächst Computer-Freaks begeisterte, entpuppte sich jedoch schnell als Flop: Das Internet war damals noch nicht auf die Übertragung von Telefongesprächen in Echtzeit vorbereitet, was dazu führte, dass Gesprächsverzögerungen von mehreren Sekunden, Sprachaussetzer und schlechte Tonqualität die Regel waren.

Inzwischen ist die Technologie zur Marktreife weiterentwickelt worden. Es sind Produkte verfügbar, die weltweites Telefonieren, beispielsweise über das Internet, zu ermöglichen. Landesspezifische Technologiestandards gibt es nicht mehr, so dass sich Kompatibilitätsprobleme, wie sie bei ISDN-Netzen aufgetreten sind, nicht wiederholen werden. In dieser Hinsicht ist die Globalisierung aufgrund der Internet-Technologien weit vorangeschritten.

TK-Revolution

Die Experten sind sich mittlerweile einig, dass Voice over IP nicht nur eine Alternative zu den bisherigen Telefon-Festnetzen darstellt, sondern diese in Zukunft in Unternehmen und im öffentlichen Netzen vollständig ablösen wird. Es wird langfristig nur noch Datennetze geben: lokale, geschlossen Netze von Unternehmen oder Organisationen und das öffentliche Internet. Diese Netze werden sowohl Daten, als auch Sprache und Video transportieren. Für diese Dreiteilung von Diensten haben kreative Marketingstrategen jüngst den Begriff "Triple Play" geschaffen. Telefonieren wird in Zukunft nur noch ein Dienst unter vielen sein, der innerhalb von geschlossenen Datennetzen oder über das Internet genutzt werden kann.

Begriffsklärung

"Voice over IP", abgekürzt "VoIP", ist lediglich ein Begriff für die Technologie der Echtzeit-Gesprächsübertragung über Datennetze. Der Begriff wird auch verwendet, wenn die Technik nur in den Kernnetzen der Provider - im so genannten Backbone - eingesetzt wird.

Der Begriff "IP-Telefonie" wird verwendet, wenn Voice over IP-Technik auch im Endgerät eingesetzt wird, so dass der Gesprächsteilnehmer selbst das IP-Netz zum Telefonieren nutzt.

Unter "Internet-Telefonie" wird allgemein das Telefonieren mittels Voice over IP über das Internet bezeichnet. Der Begriff "Intranet-Telefonie" für Telefonie in einem geschlossenen Bereich, zum Beispiel innerhalb eines Unternehmens, hat sich hingegen nicht durchgesetzt. Stattdessen wird lediglich der Begriff "Voice over IP" oder "IP-Telefonie" verwendet.

Getrennte Netze - Anklicken zum Vergrössern
Telefon- und Datennetz - getrennte Welten

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Voice over IP ist ein Telefoniedienst im Datennetz

TK-Netze und IP-Netze wachsen zusammen

In der Vergangenheit gab es stets getrennte Netze - die Telekommunikation wurde in Telefonnetzen betrieben, Daten wurden in Datennetzen übermittelt. Überlagerungen gab es in der Vergangenheit bereits dadurch, dass beispielsweise im Heimbereich Daten mit Hilfe eines Modems über das Telefonnetz übermittelt wurden. Inzwischen sind Datennetze in der Lage, auch Sprache zu transportieren. Bestes Beispiel ist der DSL-Anschluss, der mit den heutigen Bandbreiten auch zum Telefonieren genutzt werden kann. Inzwischen stellt sich die Frage, warum das Telefonnetz noch gebraucht wird. Die Frage ist berechtigt und wird im Verlauf des Artikels beantwortet.

Providerstrategien

Die großen Telefonkonzerne haben bereits öffentlich angekündigt, zukünftig auf Voice over IP umzusteigen. Beispielsweise hat die Deutsche Telekom das Jahr 2012 als Zieltermin für eine Ablösung des bisherigen Telefonnetzes genannt. Spezielle Mehrwertdienste sollen bereits sehr viel früher angeboten werden. Sowohl Deutsche Telekom, als auch Arcor wollen bereits in naher Zukunft die Weiterleitung von Festnetzgesprächen ins Internet ermöglichen. Dadurch kann ein Nutzer eines Telefonanschlusses per Internet sogar auf Dienst- oder Urlaubsreisen über seine Festnetzrufnummer erreichbar sein und auch selbst Anrufe tätigen.

Andere Anbieter, wie freenet, broadnet und QSC, verfügen über eigene Telefon- bzw. Datennetze und gehen einen Schritt weiter: Sie versuchen bereits heute, einen möglichst vollwertigen VoIP-Telefonanschluss anzubieten.

Vom Gesprächsteilnehmer unbemerkt: Provider-VoIP

Nicht immer merkt ein Anrufer, dass Voice over IP auf den Leitungswegen eingesetzt wird: In den USA werden beispielsweise bis zu ca. 30 Prozent der Gespräche über Voice over IP-Netze abgewickelt, ohne dass die Telefonteilnehmer etwas davon merken. Der Übergang zwischen Telefonnetz- auf Datennetzübertragung findet in diesem Fall erst beim Provider statt und ermöglicht kostengünstigere und effizientere Übertragung von hohem Gesprächsaufkommen zwischen den Backbones der Netzbetreiber. Auch interkontinentale Gespräche werden heute bereits über VoIP-Netze geleitet und bescheren günstige Auslandstarife.

Weitere Anbieter, die einen rein Internet-basierten Telefonanschluss ohne eigene Netzinfrastruktur anbieten, gesellen sich hinzu. Die prominentesten Vertreter dieses Marktsegments sind nikotel und sipgate. Diese Anbieter benötigen lediglich einen Zugang zum Internet-Backbone und Leitungsübergänge ins Festnetz - sogenannte Gateways, um die notwendige Erreichbarkeit über das herkömmliche Telefonnetz zu gewährleisten.

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