Heute ist Freitag, der 10. September 2010




Autor: Telindus GmbH

VoIP über Kabelnetze

 




6 Zusammenfassung

Als Zugangstechnologie besitzt CATV entscheidende Vorteile. In den meisten Haushalten steht der direkte Zugang zur Verfügung. Das Netz wurde allerdings für ein Einpunkt-zu-Mehrpunkt Sendemedium konzipiert und pauschal monatlich in Rechnung gestellt. Für die interaktive und multimediale Nutzung eines Kabelbreitbandnetzes sind Investitionen für die Rückkanalfähigkeit und eine Abrechnungsmöglichkeit pro Nutzung notwendig. Das Sicherheitsrisiko eines Shared-Medium wurde bereits mit der EuroDOCSIS Version 1.1 behoben, so dass jeder Teilnehmer auch nur die für ihn bestimmen Datenpakete erhält und lesen kann.

Entscheidender im Wettkampf um die letzte Meile sind jedoch die Inhalte, die die jeweiligen Anbieter bereitstellen können, um dem Benutzer einen Mehrwert zu bieten und sich von Wettbewerbern zu unterscheiden. So sind über xDSL auch Video auf Abruf, Software im Mietverfahren, interaktive Schulungsprogramme oder netzbasierte Spiele denkbar und möglich. CATV genießt zur Zeit jedoch noch den Vorteil, einziger Anbieter für terrestrische und digitale Fernsehprogramme zu sein. Neben Video und interaktiven Angeboten liegt es nach Öffnung des Telefonmarktes nahe, ebenfalls als Telekommunikationsanbieter für die eigenen Kunden aufzutreten. Kostenlose Telefonate innerhalb des Kabelnetzes sind da nur der Anfang von Marketingtools zur Gewinnung und Bindung von Kunden.

Entscheidet sich ein Kabelnetzbetreiber dafür, neben Internetzugang, TV und Video ebenfalls Telefonie anzubieten, stellt er sich einer sehr großen Herausforderung. Durch das bekannte digitale Telefonnetz (PSTN) stellt der Kunde hohe Erwartungen an Verfügbarkeit und Qualität des Sprachdienstes. Zudem ist das Telefon eine lebenswichtige Einrichtung in Notfällen, so dass nicht nur eine Verfügbarkeit des Netzes sicherzustellen ist, sondern ebenfalls des Telefons, z.B. bei Stromausfall oder Brand im Haushalt.

Da sich innerhalb eines CATV Netzes überwiegend Privathaushalte befinden, sind die Vorteile einer Voice over IP Lösung für den Kunden auch nicht im vereinfachten Management von Sprach- und Datennetz, oder die Integration in die IT-Umgebung zu sehen. Die Entscheidung für einen Telefonanbieter ist vielmehr extrem preissensitiv und kann nur durch Paketpreise mit anderen Anwendungen (TV, Video, Internet) an die Haushalte gebracht werden.

Ein modernes, rückkanalfähiges CATV Netz ist jedoch für die Sprachübertragung gerüstet. EuroDOCSIS 1.1 ist speziell für Voice over IP Lösungen mit Quality of Service (QoS) und Sicherheitsdiensten ausgestattet worden. Zur Reservierung von Bandbreite und QoS im EuroDOCSIS Netz wird RSVP+ verwendet und im IP Netz DiffServ. Das Mapping zwischen den Netzen übernimmt das CMTS (Cable Modem Termination System) in Zusammenarbeit mit einem Gate Controller. Im Unterschied zu herkömmlichen Telefonnetzen, wird die für ein Telefonat benötigte Bandbreite nicht ununterbrochen reserviert, sondern erst bei Benutzung zugewiesen, so dass eine wesentlich effektivere Ausnutzung der Ressourcen möglich ist. Ein Rufaufbau findet in den drei Stufen Autorisieren, Reservieren und Zuweisen statt. D.h. eine Bandbreite, für die ein Benutzer autorisiert ist, wird bei Wahl einer Rufnummer reserviert, aber erst bei tatsächlichem Zustande kommen des Telefonates zugewiesen. Dies geschieht innerhalb von Bruchteilen von Sekunden zwischen Hörer abnehmen und "Hallo" sagen.

Für alle diejenigen Kabelnetzbetreiber, die sich darauf vorbereiten Telefonie anzubieten, bzw. darauf hoffen dies in Zukunft zu können, müssen mit der Planung bereits heute beginnen!

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